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Gedenkstunde an die Opfer des Krankenmordes bei Vitos Rheingau

01.09.2017

Bei Vitos Rheingau stand am 1. September erneut das Gedenken an die Opfer des Krankenmordes unter den Nationalsozialisten im Zentrum.

Die jährlich stattfindende Gedenkstunde bezieht sich auf den 1. September 1939. Auf diesen Tag ist der so genannte Euthanasie-Erlass Hitlers datiert, der die Tötung „lebensunwerten Lebens“ legitimieren sollte. Über 2.000 Menschen wurden in der Folge allein vom Eichberg aus nach Hadamar in die Gaskammer geschickt; unzählige weitere Patientinnen und Patienten des Eichbergs wurden Opfer von Gift oder kalkulierter Vernachlässigung. Insgesamt geht die Forschung heute von rund 300.000 Krankenmord-Opfern in Europa aus.

Mitarbeitende, Patienten und externe Gäste waren gekommen, „um sich erneut mit dem auseinanderzusetzen, das nie hätte stattfinden dürfen und das auch nach so vielen Jahren unbegreiflich bleibt: dem vielfachen Mord von Ärzten, Schwestern, Pflegern, unterstützt durch Mitarbeiter der Verwaltung, an den ihnen anvertrauten kranken oder behinderten Menschen“, so sagte es Servet Dag, Geschäftsführer von Vitos Rheingau in seiner Begrüßung.

Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer sprach Dr. Georg Lilienthal, Leiter der Gedenkstätte Hadamar im Ruhestand. Es ging um den Mord an minderjährigen Patienten in Hessen-Nassau. Auch daran hatte die Landesheilanstalt Eichberg einen furchtbaren Anteil: unter der Leitung des Oberarztes Dr. Walter Schmidt wurden in der sogenannten Kinderfachabteilung (die eine Kindermordabteilung war) bis zu 500 Kinder ermordet.

Der Vortrag von Georg Lilienthal berührte die Zuhörer insbesondere durch die Balance zwischen nüchtern dargebotener historischer Forschung und eindringlichem Appell zu einer nach wie vor dringend benötigten gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik des Krankenmordes.

Zum Abschluss der Gedenkstunde gingen die Teilnehmer zum Gedenkstein des Unternehmens. Drei Patientinnen der kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik lasen den Text vor, der in den Stein gemeißelt ist. Danach legten die Anwesenden weiße Rosen auf den Gedenkstein.